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01.06.2017

Borkenkäfer im Nationalpark Kellerwald-Edersee – was nun ?

Bad Wildungen. Im Nationalpark gilt bereits auf über 90% das Motto „Natur Natur sein lassen“. Dynamische Prozesse werden zugelassen und dürfen sich ohne menschliches Eingreifen frei entfalten. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee befindet sich jedoch nicht in einem „luftleeren Raum“, sondern ist in ein landschaftliches Umfeld mit weiteren zahlreichen Wäldern eingebettet. Gegen einen Borkenkäferbefall in den Randzonen des Großschutzgebiets werden von der Nationalparkverwaltung daher selbstverständlich Maßnahmen ergriffen, um eine Massenvermehrung von rindenbrütenden Borkenkäfern und einen Befall von benachbarten Fichtenwäldern zu verhindern. Die Arbeiten beginnen am 1. Juni und werden voraussichtlich bis Mitte Juni abgeschlossen sein.

Bedingt durch ein trockenes Frühjahr und einen sehr niedrigen Grundwasserstand ist dieses Jahr die Gefahr von Borkenkäferbefall der Fichte besonders groß. Ein kühler April sowie sehr kühler Maianfang haben die Borkenkäferentwicklung verzögert. Nun aber tritt der Borkenkäferbefall umso massiver auf.
Obwohl überdurchschnittlich alte und naturnahe Buchenwälder den hessischen Nationalpark prägen, gibt es auch hier einige Fichtenbestände. In der Kernzone, ohne einen Nachbarbestand zu gefährden, würde die Nationalparkverwaltung einen Borkenkäferbefall durch Buchdrucker und Kupferstecher zulassen und den natürlichen Prozess von Werden und Vergehen im Sinne ihres Forschungsauftrags beobachten und dokumentieren. Nicht so jedoch in den Randzonen des Nationalparks. Wenn benachbarte Wälder durch einen Borkenkäferbefall im Nationalpark gefährdet sein könnten, wird eine 500 Meter breite Zone entlang der Nationalpark-Grenze regelmäßig kontrolliert, um im Bedarfsfall rechtzeitig gegensteuern zu können.

Bei der Befallskontrolle innerhalb dieser 500 Meter Zone sind aktuell zwei frische Befallsherde des Buchdruckers gefunden worden. Zum einen im Bereich Friedrichskopf auf der Wasserplatte bei Frankenau, zum anderen im Wesetal zwischen Frankenau und Frebershausen. Nun ist eine zeitnahe Fällung und Aufarbeitung der Fichten geboten, um die Ausbreitung des Borkenkäfers auf Nachbarbestände zu verhindern.


Hintergrund:
Borkenkäfer gehören zur natürlichen Artenausstattung von Wäldern. Sie kommen sowohl an Laubbäumen als auch an Nadelbäumen vor. Einige Arten haben ein breites Spektrum und befallen verschiedene Baumarten. Die meisten Arten besiedeln jedoch frisch abgestorbene bzw. durch Sturmschäden oder Trockenheit vorgeschädigte und anfällige Nadelbäume. Unter bestimmten Umweltbedingungen wie günstiger Witterung mit Temperaturen ab 17° Celsius und geeignetem Brutmaterial können die latenten Borkenkäfer-Vorkommen sprunghaft ansteigen. Es kommt zu Massenvermehrungen, bei der auch gesunde Bäume befallen werden und absterben können. Forstleute sprechen in solch einem Fall von einer Borkenkäferkalamität. Um diese zu verhindern, ist es wichtig, befallene Bäume schnellstmöglich zu fällen und die Stämme vor dem Schlüpfen der nächsten Generation aus dem Wald zu bringen.
Ausführlichere Informationen zu rindenbrütenden Borkenkäfer, darunter Buchdrucker und Kupferstecher, wurden von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in einer Broschüre unter www.nw-fva.de/index.php?id=173 zusammengefasst.



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