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25.06.2011

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee wird zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Gemeinsam mit vier weiteren Buchenwaldgebieten Deutschlands wurde der Nationalpark Kellerwald-Edersee als Weltnaturerbe geadelt!

Bad Wildungen./Paris. Die Entscheidung des UNESCO-Welterbekomitees ist gefallen. Der hessische Nationalpark Kellerwald-Edersee ist gemeinsam mit vier weiteren Schutzgebieten zum  UNESCO-Weltnaturerbe  erklärt worden!

Das Welterbekomitee tagte bereits seit Sonntag, dem 19. Juni, in Paris. Am 25. Juni stand nun die Entscheidung über die zum Weltnaturerbe nominierten alten Buchenwälder Deutschlands auf der Tagesordnung. Um 10:28 Uhr fiel endlich die Entscheidung, der die Mitarbeiter, Freunde und Partner des Nationalparks Kellerwald-Edersee voller Spannung seit Monaten entgegenfieberten. Die Freude von Nationalparkleiter Manfred Bauer, der die Entscheidung des Welterbekomitees direkt vor Ort miterlebte, ist groß: „Die Einschreibung ist ein unglaublicher Erfolg für die deutschen Nominierungsgebiete und nicht zuletzt auch für den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Das Welterbekomitee hat damit die Besonderheit des europäischen Buchenwaldes gewürdigt und mit der Entscheidung den Auftrag verbunden, die Buchenwald-Welterbegebiete um weitere Flächen in europäischen Ländern zu erweitern, um das Bild zu komplettieren. Wir sind sehr stolz, zur weltweiten Familie von herausragenden Schutzgebieten zu zählen!

Zahlreiche Nationalparkmitarbeiter hatten sich am Freitagnachmittag zu einem gemütlichen Beisammensein getroffen, um gemeinsam auf den erlösenden Anruf aus Paris  zu warten. Als die Spannung schier ins Unermessliche stieg, wurde am späten Freitagabend die Sitzung des Welterbekomitees unterbrochen und die Entscheidung auf den Samstagmorgen vertagt. Auch in Bad Wildungen sind jetzt die Freude und die Erleichterung, es in die Welterbeliste „geschafft zu haben“, groß.

Jutta Seuring hielt als Vertreterin von Nationalparkleiter Manfred Bauer in Bad Wildungen die Stellung und hatte die Veranstaltung am Freitagnachmittag für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen initiiert: „Alle haben mitgefiebert mit. Alle wollten dabei sein. Wir sind natürlich ohnehin stolz auf unseren Nationalpark und das, was das Team bislang auf die Beine gestellt hat. Wir haben in nur 7 Jahren so viel erreicht, aber das ist jetzt einfach nur unglaublich! Und ein enormer Imagegewinn für die gesamte Region.“

Ihr Kollege Achim Frede, verantwortlicher Sachgebietsleiter für das Welterbe-Projekt, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Sitzungen in Fachgremien und Bund-Länder-Arbeitsgruppen bewältigt:„Wir sind sehr stolz und fühlen uns sehr geehrt“, sagt er nun. „Die Anerkennung als Weltnaturerbe ist die höchste Auszeichnung, die man in Naturschutz und Regionalentwicklung erreichen kann. Und sie ist auch eine Anerkennung für Alle, die dabei mitgeholfen haben. Diese weltweite Würdigung, auf einer Stufe mit Grand Canyon oder Serengeti, unterstreicht die hohe Verantwortung für die europäischen Buchenwälder. Der Kellerwald verkörpert dabei ein herausragendes Beispiel für den Buchenwald der Mittelgebirge auf bodensauren Standorten. Seine Unzerschnittenheit, Naturnähe und Reife, die kleinen Urwaldinseln, knorrigen Felsbuchen und klaren Quellbäche machen ihn so einzigartig.“

Am Dienstag, den 28. Juni, lädt das Nationalparkamt Kellerwald-Edersee die Bevölkerung gemeinsam mit den Freunden und Partnern des Buchenwaldnationalparks zu einer kleinen Spontanfeier ein. Am kommenden Dienstag kann ab 17:00 Uhr im NationalparkZentrum Kellerwald, Weg zur Wildnis 1 bei Vöhl-Herzhausen gemeinsam auf den Eintrag in die Welterbeliste der UNESCO angestoßen werden. Die Nationalparkverwaltung und alle Mitarbeiter freuen sich auf zahlreiche Gäste!

Weitere Informationen unter: www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de


Kontakt:
Wochenendbereitschaft am 25. + 26. Juni, 10:00 – 15:00 Uhr:

Nationalparkamt Kellerwald-Edersee
Laustraße 8 in 34537 Bad Wildungen

Jutta Seuring: 05621 75249-33 oder 0160 -5340808
Email: Jutta.Seuring@forst.hesssen.de

Hintergrundinformation

Durch die UNESCO-Welterbekonvention aus dem Jahr 1972 sollen Teile des Kultur- und Naturerbes der Welt als Erbe der gesamten Menschheit erhalten werden. Entscheidende Auswahlkriterien hierfür sind die Einzigartigkeit, die Unversehrtheit und der nationale Schutzstatus. In Deutschland wurden bisher erst zwei Stätten als Weltnaturerbe ausgezeichnet, die Fossilienfundstätte Grube Messel und das Wattenmeer.

Die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ sollen das seit bereits 2007 bestehende Weltnaturerbe der slowakisch-ukrainischen „Buchenurwälder der Karpaten“ ergänzen. Für die Nominierung der deutschen Buchenwälder wurden der UNESCO ausgewählte Bereiche aus fünf Schutzgebieten in vier Bundesländern vorgeschlagen. Neben dem hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee sind die Nationalparks Jasmund und Müritz (beide in Mecklenburg-Vorpommern), der Nationalpark Hainich (in Thüringen) und das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin dabei.

Alle Nominierungsgebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger natürlicher Buchenwälder in Deutschland. Der Status als Weltnaturerbe ist eine besondere Auszeichnung und ein enormer Imagegewinn für die betroffenen Regionen, stehen doch damit ihre Buchenwälder auf der gleichen Stufe wie der Grand Canyon in den USA oder das Große Barriereriff in Australien.

Doch was zeichnet die deutschen Buchenwälder aus, was macht sie zu etwas ganz Besonderem? Für die Bewohner Nordhessens ist das sich verändernde Waldbild von bunten Farben im Herbst bis hin zu erfrischenden Grüntönen im Frühjahr und Sommer selbstverständlich. Die sommergrünen Laubwälder gibt es nicht nur in Europa sondern auch in anderen Erdteilen. Die Buchenart „Fagus sylvestris“, die Rotbuche, ist aber ausschließlich in Europa verbreitet. Der Wiederbewaldungsprozess Mitteleuropas nach der Eiszeit ist ein einzigartiges Phänomen. Ohne menschlichen Einfluss bestünde Deutschland zu 2/3 aus Buchenwald. Natürliche und große zusammenhängende Buchenwälder sind in Deutschland selten, „Buchen-Urwälder“ bis auf kleinste Relikte in den nominierten Gebieten verschwunden. In diesen Schutzgebieten können sich örtlich wieder naturnahe Wälder, die über die Jahrhunderte immer „wilder“ werden, entwickeln. Eine weitere Besonderheit ist, dass die zur Nominierung ausgewählten deutschen Teilgebiete die wichtigsten Buchenwaldtypen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes repräsentieren, nämlich auf unterschiedlichsten Standorten von den Bergen bis zur Küste, und gemeinsam mit den Gebirgswäldern der Karpaten den mitteleuropäischen Buchenwald vertreten.

Hintergrund zum Verfahren:

Auf dem Weg zur Welterbe-Nominierung
  • Deutsche Screening-Studie 2005
  • Machbarkeitsstudie 2006
  • Lenkungsgruppe auf Bund-Länder-Ebene    (Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg & Hessen)
  • Anmeldung in Paris (deutsche Tentativliste 1.2.2007)
  • Trilaterale Treffen mit Slowakei und Ukraine
  • 9. Internationale Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Artenvielfalt (COP 9) 2008 in Bonn
  • Kommunikationsstrategie „Weltnaturerbe“: Internetseite, Broschüre, Ausstellung…
  • Arbeiten am Antragsdossier, das am 1. Februar 2010 beim UNESCO-Büro in Paris eingereicht wurde
  • Im September 2010 bereiste  der US-Amerikaner David Mihalic als Gutachter der Internationalen Naturschutzorganisation (IUCN) im Auftrag des Welterbekomitees der UNESCO die einzelnen Großschutzgebiete, am 9. September den Nationalpark Kellerwald-Edersee. David Mihalic hatte bereits das Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten“ evaluiert.
  • 25. Juni 2011: Entscheidung des UNESCO-Welterbekomitees

Download: Pressemitteilung "Wir sind Weltnaturerbe"


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