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10.01.2017

Kälte und Frost nutzen

- Pflegemaßnahmen im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Nationalparkbesucher können während ihrer Wanderungen auf urigen Steigen und Pfaden oder ihrer Touren auf den ausgewiesenen Radwegen die besondere Ruhe und erholsame Stille des Buchenwaldes die meiste Zeit im Jahr ungestört genießen. In den Wintermonaten dagegen können sie unter der Woche jedoch für den Nationalpark untypische Motorsägen- und Schleppergeräusche hören. Die vegetationslose Zeit außerhalb der Setz- und Brutzeiten nutzt die Nationalparkverwaltung dazu, Managementmaßnahmen in den ausgewiesenen Pflegezonen durchzuführen. In den Monaten Januar und Februar kann es für Besucher daher zu Beeinträchtigungen kommen. So werden aus Sicherheitsgründen während der Arbeiten zeitweilig Wege gesperrt, und es entstehen kurze Wartezeiten, bevor Wanderer und Radfahrer ihre Tour fortsetzen können. Die Schutzgebietsverwaltung bittet um Verständnis.

Heidschnucken helfen bei der Pflege und dem Erhalt der Triescher im Nationalpark Kellerwald-Edersee, um seltene Lebensräume und ihre spezifischen und teilweise stark gefährdeten Arten zu erhalten. Eine Besonderheit sind die sog. niedrigen Borstgrasrasen mit Borstgras, Arnika und Katzenpfötchen. Bildautor: Carsten Müller Abbildungsbeschreibung: Heidschnucken auf einer WeideHeidschnucken helfen bei der Pflege und dem Erhalt der Triescher im Nationalpark Kellerwald-Edersee, um seltene Lebensräume und ihre spezifischen und teilweise stark gefährdeten Arten zu erhalten. Eine Besonderheit sind die sog. niedrigen Borstgrasrasen mit Borstgras, Arnika und Katzenpfötchen. Bildautor: Carsten Müller
Im Nationalpark Kellerwald-Edersee gilt bereits auf über 90 Prozent der Fläche der Prozessschutz und das Motto „Natur Natur sein lassen“. Die Nationalparkverwaltung greift nur auf den wenigen verbleibenden Prozent ein, um der Natur unterstützend unter die Arme zu greifen oder die wenigen Dauerpflegeflächen aus z. B. kulturhistorischen Gründen wie am Fahrentriesch zu erhalten.

„In diesem Winter stehen die Quernst bei Frankenau sowie der Fahrentriesch bei Altenlotheim im Mittelpunkt der Pflegemaßnahmen. Beim Fahrentriesch geht es um den Schutz und die Regeneration der Heidelandschaften als wertvolle Kulturbiotope nach Natura 2000, die die FFH - und Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union vereint“, erklärt Revierleiterin Mareike Schulze.

Zum Erhalt der kulturhistorischen Landschaft auf dem Fahrentriesch werden in den kommenden Wochen von den Rangern einige Bäume gefällt, Magerrasen weiter entbuscht und Teilabschnitte der charakteristischen Gehölzreihen aufgelichtet. Neben der Pflege lichtbedürftiger Magerrasen und Heiden sollen damit Freiräume für besondere Arten geschaffen werden, u. a. Neuntöter und Raubwürger. Die heimischen und seltenen Vogelarten bevorzugen zum Brüten offene und abwechslungsreiche Kulturlandschaften mit Sträuchern, Hecken und besonnten Säumen, wo  sie Insekten, Mäuse und kleine Eidechsen als Nahrung erbeuten. „Vielleicht hält langfristig sogar die hoch seltene Heidelerche wieder Einzug“, merkt Achim Frede, Forschungsleiter im Nationalparkamt und fachlicher Leiter des Naturschutzgroßprojektes, an. „Denn um die kulturhistorischen Offenlandschaften im Nationalpark zu erhalten und weiterzuentwickeln, werden ausgewählte Pflegemaßnahmen in Kooperation mit dem Naturschutzgroßprojekt Kellerwald geplant und ausgeführt“, erläutert Achim Frede weiter.

Auch im Bereich der Quernst bei Frankenau werden im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Baumfällungen stattfinden. Viele Einheimische können sich noch daran erinnern, dass auf der Quernst einst dunkle, geschlossene Fichtenwälder standen. Nach den großen Sturmereignissen der Jahre 1979, 1984, und 1990 veränderte sich jedoch das Landschaftsbild. Um den jetzigen Charakter der offenen Landschaft mit Fernblick zu erhalten, eine Verbindung mit dem oberen Banfegrund herzustellen sowie die Beweidung des Areals zu optimieren, werden gezielt einige Fichten entnommen. Dadurch werden vorhandene Laubhölzer gefördert sowie Sichtachsen zur Quernst-Kapelle ermöglicht.
Carsten Müller, Betreuer des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald beim Naturpark Kellerwald-Edersee, ergänzt: „Wir versuchen hier spezielle Lebensraum-Ausprägungen gezielt zu fördern und besonders gefährdeten Arten zu helfen. Auch vor unserer Haustür sind ehemals für die Region charakteristische Arten wie beispielsweise die Arnika auf dem Fahrentriesch akut bedroht“. 

Hintergrundinformation:
Das Naturschutzgroßprojekt Kellerwald dient zum Erhalt und zur Entwicklung der ausgedehnten Buchenwälder und der vielgestaltigen Kulturlandschaft der Region. Die Naturschutzmaßnahmen sollen zur nachhaltigen Sicherung in einen Kontext zur umweltverträglichen, integrierten Regionalentwicklung und sanften, touristischen Erschließung gestellt werden. Offizieller Träger des Projektes ist der Naturpark-Zweckverband, für das Gesamtprojekt stehen rund 6,5 Millionen Euro Fördermittel des Bundesumweltministeriums  sowie des Landes Hessen zur Verfügung. Es wurden in den Kerngebieten vorrangige Maßnahmenräume ausgewählt. Sie alle sind zentrale Aufhänger des Naturschutzgroßprojektes und ihre Umsetzung wird beispielhaft verfolgt. Die planerisch festgelegten Kerngebiete, für die die Finanzierung der Umsetzung gesichert ist, sind die Edersee Steilhänge, der Nationalpark Kellerwald-Edersee, Frankenau und das Wesetal sowie der Hohe Keller.




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