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18.10.2016

Neuer WildnisWald auf 20 Meter Länge im NationalparkZentrum Kellerwald

Die Dauerausstellung WaldWerk der Herzhausener Nationalparkeinrichtung wird stetig durch neue Module ergänzt. Am Montag, den 17. Oktober, wurde der 20 Meter lange WildnisWald eingeweiht.

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee wird – trotz seines jungen Alters von zwölf Jahren – bereits auf über 90 % der Fläche Prozessschutz umgesetzt. Es gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“. Um der Bedeutung von Wildnis auch in den Bildungseinrichtungen Rechnung zu tragen, wurde im NationalparkZentrum Kellerwald auf einer Länge von 20 Metern ein Modul realisiert, bei dem ausgewählte Tier- und Pflanzenarten das Thema Wildnis vermitteln. Als Kleinode werden auch die Urwaldrelikte mit ihren speziellen Arten vorgestellt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Felsen und Blockhalden als besondere Standorte im Buchengroßschutzgebiet.

Das Modul WildnisWald setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Durch haptische Bausteine wie originalgetreu nachgebildete Baumstämme, Pilze und Käfer können Besucherinnen und Besucher natürliche Abläufe und Wildnis im wahrsten Sinne des Wortes „be-greifen“. Darüber hinaus wurden Informationstafeln in Leichter Sprache erstellt.

Ministerialdirigent Carsten Wilke, Abteilungsleiter im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, erklärt: „Die Informations- und Bildungsarbeit war von Anbeginn an ein enorm wichtiger Bestandteil der Aufgaben, die die Landesregierung bei der Gründung des Nationalparks verfolgt hat. Der Reiz mehr darüber zu wissen und zu erfahren, wie es in einem Wald nach seinen Regeln, ungeordnet und „wild“ zugeht, ist etwas, das jeden Förster und Naturfreund interessiert. Hier bietet die Ausstellung des NationalparkZentrums Kellerwald einen schönen Ansatzpunkt, den die Betrachter dann hoffentlich im Gebiet des Nationalparks weiter nachspüren werden.“

Nationalparkleiter Manfred Bauer ist stolz auf die regelmäßige Erweiterung der multimedialen Erlebnisausstellung: „Zuletzt wurde die Dauerausstellung durch das mehrsprachige taktile 3D-Audio-Modul zum UNESCO-Weltnaturerbe für Blinde und Sehbehinderte sowie für ausländische Gäste im April dieses Jahres ergänzt. Mit dem neuen Exponat WildnisWald, das nicht nur verschiedene Sinne der Besucher anspricht, sondern außerdem bei den Informationstexten die leichte Sprache verwendet, wurde jetzt ein weiterer Schritt getan, um die barrierefreien Angebote des Nationalparks zu erweitern.“
 
Matthias Stappert, Bürgermeister der Gemeinde Vöhl, erläutert: “Bereits das neue 3D-Exponat zum Weltnaturerbe bereichert die Herzhausener Nationalparkein-richtung. Ich freue mich sehr, dass der WildnisWald die Erlebnisausstellung darüber hinaus erheblich aufwertet. Er ist ein neues Highlight, auf das das NationalparkZentrum Kellerwald stolz sein kann. Gäste bekommen weitere faszinierende Impressionen unseres Nationalparks, den sie vielleicht im Anschluss an den Ausstellungsbesuch selbst auf eigene Faust oder in Begleitung eines Rangers erkunden werden. Ich hoffe, dass auch einheimische Gäste, die die Ausstellung früher schon zwei- oder dreimal besucht haben, nun Lust bekommen, sie sich erneut anzuschauen.“
 
Erika Hofmann, Leiterin des NationalparkZentrums Kellerwald, freut sich, die Dauerausstellung nach einer intensiven Planungs- und Umsetzungsphase mit dem neuen WildnisWald erweitern zu können: „Die Dauerausstellung des NationalparkZentrums vermittelt seit 2008 die werdende Wildnis im Nationalpark; zunächst mit einem emotionalen Einstieg in den Erlebnisräumen, anschließend mit informativen sowie interaktiven Ausstellungselementen im WaldWerk. Den abschließenden Höhepunkt bildet mit sinnlichen Effekten das 4D-SinneKino. Mein Anliegen war es, mit dem WildnisWald den Übergang aus den sinnlichen Erlebnisräumen zu den technisch interaktiven Ausstellungselementen sanfter zu gestalten sowie die Wildnis im nahgelegenen Schutzgebiet mit ihren herausragenden Tier- und Pflanzenarten spielerisch und sinnlich erlebbar zu machen.“
 
Der Wildnis-Charakter des Nationalparks zeigt sich besonders deutlich in seinen Urwaldrelikten mit ihren seltenen und hoch spezialisierten Arten. Im WildnisWald erzählen zwei aufwändig 15-fach vergrößerte Käfermodelle Besuchern etwas über die Besonderheit der sog. Urwaldzeiger, die mit ihrem Vorkommen die Naturnähe sowie die wertvollen Urwaldrelikte des Nationalparks belegen. Alle Käfermodelle wurden Arten nachempfunden, die bereits im Schutzgebiet nachgewiesen wurden.
Neben den Käfermodellen gibt es zahlreiche weitere haptische Elemente wie Baumstämme, Pilze oder Steine. Die spielerischen und sinnlichen Komponenten laden die Besucher ein, den WildnisWald mit verschiedenen Sinnen zu erleben: Riechen, Hören, Tasten, sogar Kälte- und Wärmefühlen. Dieses abwechslungsreiche Konzept spricht jede Altersgruppe an, jedoch neben Familien besonders Kindergarten- und Grundschulkinder.
 
Die ersten Montage- und Malerarbeiten für den WildnisWald begannen bereits Ende Juli. Seitdem wurde fleißig gewerkelt, um die finale Montage bis zum Beginn der hessischen Herbstferien abschließen zu können. Insgesamt investierte die Nationalparkverwaltung Kellerwald-Edersee rund 175.000 € für das großflächige Exponat. Geplant wurde das Modul von der Agentur Impuls-Design GmbH & Co. KG, für die praktische Umsetzung sorgte u.a. die Firma Hauck-Modellbau.

Hintergrund:

Einzelne Komponenten der WaldWildnis:
  • Baumnachbildungen: Buche, Hainbuche, Sommerlinde, Traubeneiche,…
  • Fledermauslupe: Braunes Langohr, Bechsteinfledermaus, Kleiner und Großer Abendsegler, Mopsfledermaus,…
  • Duftstationen: Wald, feuchter Waldboden, Pilze, Herbstlaub,…
  • 3D-Modelle: Käfer (sog. Urwaldzeiger), Pilze (sog. Altwaldzeiger) sowie Bewohner des Extremstandorts Fels
  • Animations-Projektion von typischen tag- und nachtaktiven Bewohnern des Nationalparks: Rothirsch, Schwarzstorch, Bechsteinfledermaus und Buchenrotschwanz (Nachtfalter)
 

Erläuterung der Fachbegriffe

  • Die sog. Urwaldzeiger haben hohe Ansprüche an Totholzqualität- und Quantität und verfügen nur über eine sehr eingeschränkte Mobilität. Sie benötigen also über Jahrhunderte eine Habitat- und Totholzkontinuität und können daher als Indiz für Urwaldrelikte bzw. Wälder, die über Jahrhunderte nicht vom Menschen beeinflusst wurden und typische Strukturen natürlicher Wälder aufweisen, herangezogen werden.                                                                                                                                                Bisher wurden als Urwaldzeiger ausschließlich Käferarten von der Fachwelt definiert. Pilze, Moose und Flechten werden ebenfalls als Indiz für natürliche Wälder herangezogen, hierbei verwenden Experten jedoch die Terminologie von Altwaldzeigern.
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