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28.11.2014

Waldentwicklungsmaßnahme im Nationalpark Kellerwald-Edersee

– Entnahme von Douglasien

Bad Wildungen. Am 01. Dezember 2014 beginnt eine umfangreiche Managementmaßnahme im Nationalpark. Auf mehreren Flächen mit einer Gesamtfläche von zehn Hektar werden Douglasien entnommen. Dadurch soll eine Verdrängung der heimischen Vegetation durch natürliche Verjüngung der Douglasie verhindert werden. Die Maßnahme wird zum großen Teil im Bereich von Himmelreich und Kohlberg im Süden, aber auch auf dem Affolderner Berg im Osten des Buchengroßschutzgebiets durchgeführt. Aufgrund der Arbeiten kann es zu zeitweiligen Einschränkungen des Straßenverkehrs an der L3332 sowie an den betroffenen Rad- und Wanderwegen im Nationalpark Kellerwald-Edersee kommen. Das Nationalparkamt bittet um Verständnis.

Am 01. Dezember 2014 beginnt eine umfangreiche Waldentwicklungsmaßnahme im Nationalpark Kellerwald-Edersee.  Bildautor: Nationalpark Kellerwald-Edersee Abbildungsbeschreibung: WaldflächeAm 01. Dezember 2014 beginnt eine umfangreiche Waldentwicklungsmaßnahme im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Bildautor: Nationalpark Kellerwald-Edersee
Bereits auf über 90 Prozent der Nationalparkfläche gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“. Managementmaßnahmen beschränken sich lediglich auf die restlichen Prozent. In wenigen Randbereichen, den sog. Entwicklungszonen, stehen die Nationalparkmitarbeiter der Natur noch für wenige Jahre unterstützend zur Seite. Waldmanagementmaßnahmen wie diese Douglasien-Entnahme werden bis ca. 2020 abgeschlossen sein und die bearbeiteten Flächen ebenfalls in den Prozessschutz überführt.

In den Bereichen Kohlberg und Himmelreich wird auch der südlich ausgerichtete Hang oberhalb der L3332 zwischen Frankenau und Frebershausen bearbeitet werden. Um die anschließende Entnahme der Douglasien mit einem Baggerharvester vorzubereiten, werden die ersten Bäume am Hang händisch mit der Motorsäge von Nationalpark-Rangern gefällt. Um Gefährdungen von Verkehrsteilnehmern durch herabrutschende Bäume oder Steine zu verhindern, wird in der Woche vom 01. bis 05. Dezember eine Ampelschaltung eingerichtet werden. Aus diesem Grund wird es auf dem genannten Straßenabschnitt zu zeitweiligen Einschränkungen des Verkehrs kommen.
Voraussichtlich am 8. Dezember beginnt die eigentliche Maßnahme, die bis kurz vor Weihnachten dauern wird. Die Douglasien werden motormanuell durch einen Unternehmer gefällt. Die am Hang liegenden Baumstämme werden mithilfe eines sog. Baggerharvesters anschließend nach oben auf den Hauptweg geseilt und dort aufgearbeitet. Während dieser Zeit wird aus Sicherheitsgründen am genannten Straßenabschnitt eine Geschwindigkeitsreduzierung eingerichtet werden.
Die  Arbeitsweise mit dem Baggerharvester ist besonders Boden schonend, da die Bäume beim Seilen nicht über den Boden schleifen. Der Hang wird nicht befahren.

Voraussichtlich ab dem 7. Januar beginnen die Arbeiten mit Harvester und Rückezug am Affolderner Berg. 
Während der Maßnahme können die Rad- und Wanderwege im Bereich Himmelreich nur eingeschränkt genutzt werden. Am Rabenstein müssen aus Sicherheitsgründen die Mehler-Holz-Route und der Goldgräberpfad gesperrt werden, eine Umleitung für Nationalparkbesucher kann dort leider nicht angeboten werden. Die Nationalparkverwaltung bittet um Verständnis.

Die komplette Maßnahme wird Mitte Februar vor dem Beginn der Brut- und Setzzeiten abgeschlossen sein.


Hintergrund:
Prozessschutz und Wildnisentwicklung haben im Nationalpark Kellerwald-Edersee oberste Priorität. Auf einigen Flächen, festgelegt im Nationalpark-Plan, ist jedoch eine weniger natürliche Bestockung vorhanden. Im Rahmen des Nationalparkmanagements bedürfen diese Flächen noch eines Waldumbaus. In diesen Entwicklungsbereichen ist unter anderem vorgesehen, Douglasien zu entnehmen, soweit sie eine Gefährdung für  die  heimische, bodenständigen Fauna und Flora darstellen. Die Douglasie besitzt ein Potential zur Verdrängung heimischer Arten vor allem auf baumfreien Felsstandorten und auf bodensauren, nährstoffarmen, lichten und trockenen Waldstandorten. Daher könnten Veränderungen der Vegetationsstrukturen, der Nahrungsbeziehungen, der Nährstoffdynamik und der Bodenchemie zu negativen Folgen für das gesamte Waldökosystem führen. Die Fruktifikation der Douglasie beginnt ab einem Alter von etwa 15 Jahren, wobei ihre Samen sich bis zu einigen 100 Meter weit ausbreiten können.
Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) wurde durch das  Bundesamt für Naturschutz (BfN) als invasive Art eingestuft, was in Fachkreisen umstritten ist und noch diskutiert wird. Eine entsprechende EU-Verordnung soll  im nächsten Jahr herauskommen.
Als invasive Arten werden Tier- Pilz- und Pflanzenarten bezeichnet, welche durch direkte oder indirekte menschliche Mithilfe, nach dem Jahr 1492,  in ein Gebiet außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes gelangt sind, und in ihrem neuen Areal die natürliche Biodiversität gefährdet.
In Deutschland sind laut Bundesamt für Naturschutz zurzeit 2.400 wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzenarten bekannt, wovon lediglich 38 als invasiv und 42 als potentiell invasiv eingestuft worden sind. Wird eine Art nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als invasiv bezeichnet, so liegt ein erhebliches Gefährdungspotential gegenüber heimischer Flora und Fauna vor. 
Laut BNatSchG §40 Abs.3 sind geeignete Maßnahmen zu treffen um eine weitere Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern, wenn diese Maßnahmen Aussicht auf Erfolg haben. Douglasien-Anbau im Zuge der geregelten Forstwirtschaft ist davon ausgenommen.
Biodiversität gilt als zentrales Ziel internationaler und europäischer Vereinbarungen, daher wurde auch das Zurückdrängen invasiver Arten in der hessischen Biodiversitätsstrategie als Ziel festgelegt.
Ebenfalls ist die Maßnahme durch § 2 Abs. 6 ff der Nationalpark-Verordnung abgedeckt: „ In den nicht naturnahen Teilbereichen des Nationalparks sollen durch gezielte ökologische Lenkungsmaßnahmen die natürlichen Prozessabläufe eingeleitet und ermöglicht werden.“ Außerdem sollen Störungen von den Lebensräumen mit bodenständigen Tier- und Pflanzenarten  ferngehalten werden.
Bei der Entnahme der Bäume wird auf einen schonenden Vorgang Wert gelegt, sodass keine Gefährdung der Schutzziele, vor allem im Bereich des  Arten- und Biotopschutzes, entsteht.  Die Störung des Gebietes soll sich zeitlich auf ein Minimum beschränken und bis zum Beginn der Brut- und Setzzeiten abgeschlossen sein.  

Quellen:
•   Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. Bundesamt für Naturschutz , Stefan Nehring, Ingo     Kowarik, Wolfgang   Rabitsch,        Franz Essl, 2013
•   Bundesnaturschutzgesetz
•   CBD 200,2002 , ESSL &RABITSCH 2002, KOWARIK 2010
•   Hessische Biodiversitätsstrategie

IUCN-Zertifizierung                                                                                                                   
Die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Ressources) hat zum Ziel, für Natur und Artenschutz zu sensibilisieren. Sie gibt die „Roten Listen“ weltweit gefährdeter Arten heraus und erarbeitet Kategorien für Schutzgebiete. Durch die weltweit gleichen Kriterien der neutralen Weltnaturschutzorganisation ist es möglich, die Qualität von Schutzgebieten zu beurteilen. 2011 verlieh die IUCN dem Nationalpark Kellerwald-Edersee das Zertifikat „Erfüllung der Kriterien für Nationalparke und Einstufung als Nationalpark der Kategorie II der IUCN-Richtlinien“. Damit ist der hessische Nationalpark der erste Nationalpark Deutschlands, der diese hohe Auszeichnung erhielt.
Im Mittelpunkt der Bewertung stand, ob der hessische Nationalpark die Marke von mindestens 75 % nutzungsfreier Zonen erreicht und einen konsequenten Schutz und die natürliche Entwicklung seiner charakteristischen Ökosysteme und Lebensgemeinschaften gewährleistet. Der mit zehn Jahren noch sehr junge Nationalpark Kellerwald-Edersee weist bereits heute mehr als 90 % nutzungsfreier Zonen auf.                                        
Geprüft wurde weiterhin, ob Forschung, Umweltbildung, Erholung und Besucherlenkung schutzgebietskonform gesteuert werden und wie das Schutzgebiet in die öffentliche Verwaltung und die Landesplanung eingebunden ist.  Grundlage für die Beurteilung lieferten der Nationalpark-Plan und Überprüfungen durch einen IUCN-Experten vor Ort. Bereits bei Ausweisung wurde in der Nationalparkverordnung vom 17.12.2003 das Ziel formuliert, als Nationalpark der Kategorie II  nach IUCN-Kriterien auch international anerkannt zu werden. Ausführliche Fachinformationen auf Seite 11/12 und 21 ff.  unter: www.europarc-deutschland.de/dateien/10-06-18_IUCN_final.pdf 



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