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20.06.2014

Mit den Forschern unterwegs

Fließgewässer im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Bad Wildungen/ Edertal-Bringhausen. Am Sonntag, 29. Juni, laden Prof. Dr. Ulrich Braukmann und Diplombiologin Julia Wrede von der Universität Kassel gemeinsam mit Nationalparkmitarbeiter Bernd Schock zu einer besonderen Exkursion in den Nationalpark ein: Im Mittelpunkt der dreieinhalbstündigen Führung stehen die Fließgewässer des Schutzgebiets, die sowohl wertvolle und sehr sensible Ökosysteme als auch spannende Forschungsobjekte sind. Treffpunkt ist um 10:00 Uhr der Wanderparkplatz Kirchweg in Bringhausen. Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird bis zum Freitag, 27. Juni, bis 10:00 Uhr beim Nati-onalparkamt, Telefon 05621 - 75249 - 0, gebeten. Teilnehmer denken bitte an Wetter angepasste Kleidung und festes Schuhwerk.
Die Bäche im Nationalpark Kellerwald-Edersee zeichnen sich durch über-durchschnittliche Strukturvielfalt und hohe Gewässergüte aus. In Experten-kreisen haben sie dadurch Referenzcharakter für andere Mittelge-birgsregionen mit ähnlichen hydrogeologischen Voraussetzungen.

Im Focus der Exkursion stehen Ökologie und Zustand der Natio-nalparkbäche. Außerdem werden Einblicke in die Tierwelt der Fließgewässer gegeben. So sind beispielsweise die Lebensräume von Feuersalamander oder Wasseramsel eng an natürliche Bachläufe mit sauberem Wasser gebunden. Dies gilt auch für die Groppe, einem kleinen Süßwasserfisch, der zu den gefährdeten Tierarten gehört und höchste Anforderungen an die Wasserqualität stellt.

Die vier Kilometer lange Tour bietet Wanderbegeisterten Antworten auf zahlreiche spannende Fragen: Was verstehen Wissenschaftler unter Gewässerökologie? Wie werden Güte und Zustand einzelner Gewässer erfasst? Welche Strukturen und Bachorganismen gibt es im Nationalpark Kellerwald-Edersee?

Wirkt sich der Klimawandel auf die Gewässer im Nationalpark-Kellerwald-Edersee aus?
Prof. Dr. Ulrich Braukmann und Diplombiologin Julia Wrede vom Fachgebiet Gewässerökologie und Gewässerentwicklung der Universität Kassel werden die verschiedenen Forschungsarbeiten an den Nationalparkbächen vorstellen. Die Universität Kassel ist bereits seit vielen Jahren Kooperationspartner des Großschutzgebiets. Derzeit arbeitet die Universität an einem Projekt, mit dem mögliche Auswirkungen durch einen Klimawandel auf die Fließgewässergemeinschaften der Nationalparkbäche untersucht werden sollen.

Darüber hinaus erfahren die Teilnehmer etwas über die Gewässer-Renaturierungsmaßnahmen, die im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald-Region u. a. auch im Keßbachtal durchgeführt wurden. Träger des ersten Naturschutzgroßprojekts in Hessen ist der Naturpark Kellerwald-Edersee.

Interessierte Teilnehmer können mit Bernd Schock, der im Nationalparkamt im Sachgebiet Forschung, Naturschutz und Planung arbeitet, auch andere aktuelle Forschungsprojekte im Nationalpark diskutieren. Natürlich dürfen auf einer Führung im Nationalpark Informationen zum Weltnaturerbe nicht fehlen, die der Nationalparkmitarbeiter gerne gibt: Was ist das Besondere an den Buchen im Kellerwald, auf die die ganze Welt schaut?




Hintergrund:

„Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutsch-lands“
Das Welterbekomitee der UNESCO hat am 25. Juni 2011 auf seiner 35. Sitzung in Paris entschieden, die "Alten Buchenwälder Deutschlands" in die Liste des Welterbes einzuschreiben. Sie ergänzen hervorragend das seit 2007 bestehende UNESCO-Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten", mit denen die deutschen Gebiete nun eine gemeinsame Stätte bilden.
Sommergrüne Laubwälder erstrecken sich fast ausschließlich auf die nördliche Halbkugel. Die Rotbuche, Fagus sylvatica, kommt jedoch ausschließlich in Europa vor. Es ist weltweit ein einzigartiger Vorgang, dass die Rotbuche als einzelne Baumart im Zuge eines sogar noch andauernden (!) ökologischen Prozesses die Wald- und Ökosystembildung weiter Teile eines ganzen Kontinents bestimmt. Diese Dominanz hat sich seit der letzten Eiszeit innerhalb von wenigen Jahrtausenden entwickelt – einer geologisch wie evolutionär gesehen extrem kurzen Zeitspanne. Gegenwärtig zeigt insbesondere Deutschland innerhalb Europas markant den ungebrochenen Prozess, der einen Kontinent prägt.

Weitere hervorragende europäische Buchenwaldgebiete sollen im Rahmen einer seriellen Erweiterung folgen. Damit soll das Abbild des andauernden ökologischen Prozesses und der außergewöhnlichen biologischen Vielfalt der europäischen Buchenwälder in den unterschiedlichen biogeografischen Regionen vervollständigt werden.
Zu den „Alten Buchenwälder Deutschlands“ zählen ausgewählte Bereiche der Nationalparks Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, des Nationalparks Hainich in Thüringen, des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Hessen und der Grumsin im brandenburgischen UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Sie bilden die unterschiedlichen Buchenwaldtypen Deutschlands ab – von den Mittelgebirgen bis zur Küste. Außerdem beherbergen sie zusammen mehr als zwei Drittel derjenigen Waldpflanzenarten, deren Weltverbreitung auf Europa konzentriert ist.

Der Kellerwald weist die besten und ausgedehntesten bodensaurern Buchen-wälder des Mittelgebirges über Schiefer und Grauwacke auf. Seine Wälder zeichnen sich durch ihre Naturnähe und einen überdurchschnittlich hohen Altholzanteil mit Urwaldrelikten aus. 18 von 22 in Hessen vorkommenden Fledermausarten, sieben von zehn mitteleuropäischen Spechtarten, Urwaldzeiger wie der Pilz Ästiger Stachelbart sowie der Veilchen blaue Wurzelhalsschnellkäfer und die Pfingstnelke als Eiszeitrelikt belegen den Strukturreichtum dieser alten Wälder. Die Weltnaturerbefläche im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist 1467 Hektar groß.

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