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10.10.2013

Unter allen Wipfeln ist niemals Ruh`

Wirbellose in Wäldern

Bad Wildungen/ Edertal-Gellershausen. Am Freitag, den 11. Oktober, lädt Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike alle Insektenliebhaber ein, ihn auf eine spannende Exkursion in den Nationalpark Kellerwald-Edersee zu begleiten. Unter dem Motto „Unter allen Wipfeln ist niemals Ruh“ begibt er sich gemeinsam mit den Teilnehmern auf die Suche nach den Wirbellosen im Reich der urigen Buchen. Treffpunkt ist um 14:00 Uhr der Wanderparkplatz Heinrichshütte in Edertal-Gellershausen. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei.

Auch die kleinen Lebewesen verdienen unsere Achtung und Beachtung. Der Sägebock wird bis zu 45 mm lang. Er entwickelt sich in abgestorbenem Laubholz. Bildautor:  Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike Abbildungsbeschreibung: sägebock auf baumrindeAuch die kleinen Lebewesen verdienen unsere Achtung und Beachtung. Der Sägebock wird bis zu 45 mm lang. Er entwickelt sich in abgestorbenem Laubholz. Bildautor: Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike
Der Wald ist nicht nur ein Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tieren. Er ist wichtig ein wichtiger Wasserspeicher und produziert saubere Luft. Den Menschen dient er außerdem als Oase der Ruhe und Erholung. Der Wald verzaubert mit seinen Farben und dem Spiel aus Licht und Schatten, alte Bäume besitzen stets etwas Märchenhaftes. Nicht nur Eichhörnchen und Singvögel können den aufmerksamen Waldbesucher faszinieren. Wanderer, die ihn offenen Auges durchschreiten, können zahlreiche große und kleine Naturphänomene entdecken. Viel gibt es über den Wald und seine Bewohner zu lernen, zu erforschen.

Im Wald herrscht rege Betriebsamkeit. Verschiedenste Tiergruppen besiedeln unterschiedliche Teillebensräume. So können mannigfaltige Bewohner in den Baumkronen, auf Sträuchern, Bodenpflanzen, in Pilzen, unter Steinen und alten Ästen, im Mulm toter Bäume, in der Laubstreu und auch im Boden gefunden werden.
Warum wird die Laubstreu unter den Bäumen von Jahr zu Jahr nicht immer höher und höher? Der Grund sind die Millionen von Kleinlebewesen, die an der Zersetzung der abgeworfenen Blätter beteiligt sind. Allein bis zu 400.000 Milben treten auf einem Quadratmeter feuchten Waldbodens auf. Hinzu kommen Tausende weiterer kleiner Bodenbewohner wie Springschwänze, Doppelfüßer und ähnlich abenteuerlich benannte Wirbellosengruppen. Diese wiederum stellen die Nahrung für größere am Boden lebende Wirbellose dar, z. B. für Laufkäfer.

Der dunkelblaue Laufkäfer ist ein tagaktiver Räuber, der vor allem in Buchenwäldern gefunden werden kann. Der Gartenlaufkäfer trägt seinen deutschen Namen zu Unrecht. Diese Art ist ein typischer, überwiegend nachtaktiver Waldbewohner und kommt eher selten in Gärten vor. Beide Laufkäferarten zählen zur Gilde nützlicher Insekten. Im Wald setzt sich die Helferschar zur Vertilgung von Schädlingen aus unterschiedlichen Tiergruppen zusammen. Vögel, Spinnen, Ameisen, Schlupfwespen und einige weitere, mehr oder weniger spezialisierte Wirbellose stellen zusammen mit den räuberisch lebenden Laufkäfern die „Polizei“ des Waldes dar. Deren Wirken wird durch Faktoren wie Baumartenzusammensetzung, Standort und Witterung beeinflusst. Nützlinge stellen teilweise hohe Ansprüche an den Ort ihres Vorkommens.

Die im Wald wachsenden Pflanzen beherbergen eine Vielzahl von Lebewesen. Erst bei genauerer Betrachtung entdecken Naturinteressierte, dass nicht nur Blätter und Blüten am Wegesrand zu finden sind. Viele Wirbellose besitzen eine perfekte Tarnung aufgrund ihrer Färbung. Doch in der Natur existieren weitere Möglichkeiten, einem Feind entgegenzutreten. Wer sich schlecht verbergen kann, lässt sich am besten einfach fallen oder stellt sich tot, um nicht mehr aufzufallen. Manche Wirbellose synthetisieren Giftstoffe und signalisieren dies durch auffällige Färbung, wieder andere benutzen die Farben der Gifttiere, um ebenfalls nicht gefressen zu werden, geben bei Beunruhigung plötzlich Laute von sich, arbeiten mit chemischen Waffen oder können schnell fliehen. Auch ein furchtbares Äußeres mit Dornen und Zangen wirkt abschreckend auf Angreifer.


Der dunkelblaue Laufkäfer ist ein tagaktiver Räuber, der vor allem in Buchenwäldern gefunden werden kann. Wer diesen Käfer im Wald entdeckt, kann sich glücklich schätzen, die Art ist sehr selten.  Bildautor:  Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike Abbildungsbeschreibung: dunkelblauer laufkäferDer dunkelblaue Laufkäfer ist ein tagaktiver Räuber, der vor allem in Buchenwäldern gefunden werden kann. Wer diesen Käfer im Wald entdeckt, kann sich glücklich schätzen, die Art ist sehr selten. Bildautor: Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike
Der Sägebock kann recht schmerzhaft zubeißen, wenn man versucht, ihn zu fangen. Der Sägebock entwickelt sich in abgestorbenem Laubholz. Heute kann man solche schönen und seltenen Käfer wieder ein wenig häufiger im Wald sichten. Tote Bäume werden zum Glück nicht mehr sofort gefällt und abtransportiert, wie es vor einigen Jahren noch üblich war. Der Wald ist zwar nicht mehr ganz so „aufgeräumt“, doch was bedeutet unser Ästhetikbefinden gegen den nachhaltigen Erhalt und Schutz vielfältigen Lebens auf diesem Planenten? Und sieht die Silhouette eines toten Baumes nicht auch eindrucksvoll und ein bisschen romantisch aus? Langsam lernen wir es wieder, die Natur zu respektieren. Auch die kleinen Lebewesen um uns her verdienen unsere Achtung und Beachtung.

Darüber hinaus sind Interessierte bereits am Donnerstagabend, den 10. Oktober, in den Vortragssaal des Nationalparkamts Kellerwald-Edersee in der Laustraße 8 in Bad Wildungen eingeladen. Insektenkundler Dr. rer. nat. Hans-Peter Reike berichtet über die wunderbare Welt der Käfer. Beginn des Vortrags ist 19:30 Uhr. Es ist keine Anmeldung erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.


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