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01.08.2013

Sechs neue Bewohner im WildtierPark Edersee

Handaufgezogene Waschbären

Bad Wildungen/ Edertal-Hemfurth. Sechs junge Waschbären haben schon jetzt ein neues Zuhause im WildtierPark Edersee gefunden, ein siebenter wird voraussichtlich in einigen Tagen folgen. Besucher können die neugierigen Kletterkünstler aus nächster Nähe im Waschbärgehege beobachten.

Der Waschbärennachwuchs ist zwischen zehn bis vierzehn Wochen alt. Vor ca. neun Wochen wurden die einzelnen Tiere, jeweils drei Mädchen und drei Jungen, in der Nationalparkeinrichtung abgegeben. Seitdem werden sie von Tierpfleger Thomas Wagener und seinem vierzehnjährigen Sohn Dennis professionell und liebevoll von Hand aufgezogen. Ihr dauerhaftes Zuhause im Waschbärgehege des WildtierParks Edersee haben sie am vergangenen Montag, den 29. Juli, bezogen. Besucher können die Kleinbären seither ausgiebig aus nächster Nähe beobachten. Dennis Wagener betreut die sechs kleinen Waschbären tagsüber im Gehege. Besuchern beantwortet er gerne fragen zu seinen kleinen Schützlingen, z.B. dass das abwechslungsreiche Futter dem Speiseplan eines Allesfressers gerecht wird. Die Kleinbären bekommen u.a. Katzennassfutter, Fisch oder Bananen.

Diese Speisepalette ist auch der Grund, warum der siebente Waschbär erst in ca. zehn Tagen zu seinen Artgenossen im Gehege stoßen wird. Das acht Wochen alte  Kerlchen wird von Familie Kraft aus Mandern großgezogen und bekommt aufgrund seines jungen Alters noch Katzenmilch. Sein Futter wird langsam umgestellt und dem der älteren Waschbären angepasst. Außerdem muss er sich an das Gehege und die zahlreichen WildtierPark-Besucher gewöhnen. Daher kommt der kleine Waschbär an einzelnen Tagen vorerst immer nur für wenige Stunden in das Gehege, so zusagen als Gast.

Die Nacht verbringen die sechs kleinen Waschbären noch nicht frei in ihrem Gehege. Familie Wagener hat ihnen eine Schutzhütte gebaut, in der sie sich tagsüber vor Uhus oder anderen hungrigen Raubvögeln verstecken können. In diese Hütte verbringen sie auch die Nacht. Tierpfleger Thomas Wagener und sein Sohn verschließen jeden Abend sehr sorgfältig die Hüttentür, um zu verhindern, dass die nachts unbeaufsichtigten, aber sehr neugierigen Kletterkünstler ausbüxen.
Tierpfleger Thomas Wagener freut sich trotz der zeitintensiven Handaufzucht sehr über die sechs Neuzugänge: „Obwohl frei lebende Waschbären nicht immer auf Gegenliebe stoßen, sind sie inzwischen fester Bestandteil unserer Region. Zahlreiche unserer Besucher haben noch nie einen Waschbären mit eigenen Augen gesehen. Ich freue mich daher, dass wir unseren Gästen jetzt inzwischen sogar sechs kleine Waschbären zeigen können“.
In den vergangenen Jahren erfreuten sich die Besucher an einem einzigen Waschbären, der Bärlie genannt wurde. Bärlie verstarb 2012 aufgrund von Altersschwäche im stolzen Alter von siebzehn Jahren.
Beim Nachwuchs handelt es sich bei allen sieben Waschbären um Findelkinder. Sie wurden meistens nach einem starken Gewitter, während dem sie aus einem Baum fielen, gefunden und in den WildtierPark gebracht. Zwei von ihnen wurden beispielsweise auf der Bad Wildunger Brunnenallee entdeckt und der örtlichen Polizei gemeldet, die sich darauf hin an den WildtierPark wandte.
Die Nationalparkverwaltung empfiehlt, grundsätzlich keine Jungtiere im Wald oder im urbanen Bereich aufzulesen, sondern sie stattdessen an Ort und Stelle zu belassen.


Es ist geplant, dass die Waschbären täglich gegen 12:00 Uhr gefüttert werden. Besucher können die sechs quirligen Wirbelwinde ausgiebig beobachten und erhalten während der Fütterung zeitgleich spannende Informationen rund um die Kleinbären mit der schwarz-weißen Gesichtsmaske. Abbildungsbeschreibung: Ein junger Waschbär schwimmt in einem Gewässer.

Hintergrundinformation:

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte die Ansiedlung von Waschbären zur „Bereicherung“ der Fauna in Deutschland. Die erste erfolgreiche Ansiedlung erfolgte 1934 in einem Bereich des Forstamts Vöhl, der heute im Nationalpark Kellerwald-Edersee liegt. Mitte der 60er Jahre begannen die Waschbären sich neue Lebensräume zu erschließen und eroberten zunehmend auch menschlichen Erholungs- und Siedlungsraum.
Über den seit mittlerweile über 70 Jahren in Deutschland ansässigen Kleinbären und sein  Leben in Deutschland und Mitteleuropa wird zunehmend geforscht, aber immer noch gehört der „Neubürger“ zu den bisher am wenigsten untersuchten Raubsäugern Europas. Wie groß ist der Lebensraum, den ein Waschbär benötigt? Welchen Einfluss haben die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere tatsächlich auf die Population von Boden- und Höhlenbrütern wie Waldlaubsänger und Kohlmeise? Spannende Fragen, denen seit 2006 ein junges Team aus Wildbiologen im Rahmen einer mehrjährigen Forschungsstudie nachgeht und die Lebensweise des Waschbären (Procyon lotor Linné, 1758) im Serrahner Teilgebiet des Müritz-Nationalparks (Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland) untersucht. Der Serrahn  gehört ebenso wie ausgewählte Bereiche des Nationalparks Kellerwald-Edersee zum transnationalen UNESCO- Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.
Informationen zum Waschbär auf der Homepage des WildtierParks  unter www.wildtierpark-edersee.eu/wp/de/tiereimpark/waschbaer


Waschbär (Procyon lotor)

Schulterhöhe: 20 bis 30 cm
Gewicht: 3,5 bis 9 kg
Lebensdauer: bis 16 Jahre             
Lebensraum: gewässerreiche Misch- und Laubwälder; große Vorkommen in Siedlungen und Städten
Nahrung: Allesfresser; pflanzliche Kost und Insekten, Schnecken, Würmer, Kleinsäuger, Vögel 
Fortpflanzung: Paarungszeit im Februar 2 bis 5 Junge nach etwa 9 Wochen
Verbreitung: ursprünglich Mittel- und Nordamerika; heute auch in Deutschland, Nordfrankreich, südliches Weißrussland, Kaukasus;
1934 am Edersee ausgesetzt 

    

Einwanderer aus Nordamerika

Ursprünglich kommt der Waschbär aus Nordamerika. Seit 1934 ist er auch in Deutschland heimisch. Um die hessische Flora und Fauna zu bereichern und den wertvollen Pelzlieferanten nach Europa zu bringen, wurden am Edersee zwei Waschbärenpaare ausgesetzt. Das Preußische Landesjagdamt in Berlin hatte eine offizielle Erlaubnis zur Aussetzung im Forstamt Vöhl ausgesprochen.
Die Waschbären konnten sich rasant verbreiten, da sie in der Tierwelt keine natürlichen Feinde fürchten müssen. Neben Pflanzen gehören Kleinsäuger, Würmer, Schnecken, Käfer und Vögel zum Nahrungsspektrum des Allesfressers. Zudem plündert er die Nester der Singvögel, was ihn zu einem unbeliebten Räuber macht.
Vom Land- zum Stadtstreicher
Mit Unbehagen und Sorge wird auf die Ausbreitung des Waschbären geschaut: Hat er sich doch weiter eingebürgert, als ursprünglich gedacht − ist in einigen Regionen sogar zu einer regelrechten Plage geworden. So beispielsweise in Kassel-Wilhelmshöhe, wo er Mülltonnen auf der Suche nach etwas Essbarem durchwühlt. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit besiedelt er nicht nur die bevorzugten gewässerreichen Misch- und Laubwälder, sondern auch Bergwälder und urbane Gebiete. Überall findet der nachaktive Allesfresser Nahrung. Bereits 1954 erklärte Hessen als erstes Bundesland den Waschbären zum Jagdwild, denn das Bewusstsein, den Waschbären als Gefahr für die heimische Tierwelt anzusehen, stieg an. Der Waschbär zählt somit zu den gebietsfremden Arten, den sogenannten Neozoen. Ob die Schäden, die der Waschbär in menschlichen Habitaten, auf Obstplantagen und gegenüber heimischen Tierarten anrichtet, das Maß erreichen, um den Waschbär zu den invasiven Neozoen zu zählen, ist strittig.
Schwarz-weißer Maskenträger
Seinen Namen verdankt der Waschbär dem Eintauchen von Gegenständen und Nahrung in Wasser. Er wäscht seine Nahrung allerdings nicht wirklich, sondern betastet sie sorgfältig, indem er sie zwischen seinen sensiblen Vorderpfoten hin und her rollt. Es ist ein instinktives Beutefangverhalten, dass er auch imitiert, wenn kein Wasser in der Nähe ist. Neben dem ausgeprägten Tastsinn ist die schwarz-weiße Zeichnung ein typisches Merkmal der Waschbären. Die charakteristische schwarze Maske über dem weißen Gesicht ist schon bei der Geburt  angedeutet und tritt zehn bis zwölf Tage später deutlich hervor. Zwei bis sieben Jungen werden im Frühling nach einer Tragzeit von etwa 65 Tagen geboren.  Die Mutter zieht sie allein auf, bis sie sich im Herbst allmählich von ihr trennen. In Gefangenschaft können Waschbären über zwanzig Jahre alt werden. Ihre Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt mit 1,8 bis 3,1 Jahren aber weit darunter. Gründe sind Jagd und Verkehrsunfälle – die zwei  häufigsten Todesursachen in vielen Gebieten.

WildtierPark Edersee und BuchenHaus
Am Bericher Holz 1 in 34549 Edertal-Hemfurth
Telefon: 05623 973030
www.wildtierpark-edersee.eu

Öffnungszeiten
01.03. - 30.04.   10.00 - 18.00 Uhr
01.05. - 31.10.    09.00 - 18.00 Uhr
01.11. -  28.02.   11.00 - 16.00 Uhr

Flugvorführungen der Greifenwarte:
01.03. - 15.11. täglich (außer montags), um 11.00 und 15.00 Uhr


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