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10.04.2012

Erfolgreiches Waldscout-Projekt

Wildnistagung am Nationalpark Kellerwald-Edersee zieht Bilanz

Bad Wildungen. Zum Abschluss des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Bildungsprojektes „Waldscout & Waldranger“ trafen sich vom 26.- 27.3.2012 über hundert Wildnisbildner aus ganz Deutschland am Nationalpark Kellerwald-Edersee. Während der Fachtagung „Wildnis und Bildung für nachhaltige Entwicklung“ tauschten sie sich bei Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen über aktuelle Bildungsprojekte aus und diskutierten die Erfahrungen des dreijährigen Wildnisbildungs-Projekts „Waldscout & Waldranger“, das sich künftig zum Projekt „Waldscout – Expedition in die Wildnis“ weiterentwickelt.


Im Rahmen der Tagung diskutieren Bildungsakteure aus Großschutzgebieten, Schule und Jugendarbeit sowie Nationalparkleiter und Wissenschaftler über die Anforderungen moderner Bildungsarbeit in Wildnisgebieten. In seinem Vortrag „Wildnis – 20 Jahre pädagogische Herausforderung“ beleuchtet Prof. Dr. Gerhard Trommer Entwicklungslinien der Bildungsarbeit in deutschen Nationalparken.


„Die zahlreichen Teilnehmer aus den verschiedensten Fachbereichen spiegelten die Komplexität der Bildungsarbeit wider. Die Tagung verdeutlichte, dass der Nationalpark Kellerwald-Edersee und sein Kooperationspartner, die NAJU Hessen, mit dem Wildnisbildungs-Projekt eine wegweisende Rolle für andere deutsche Großschutzgebiete spielen“, erläuterte Nationalparkleiter Manfred Bauer sichtlich stolz über die Ergebnisse der Veranstaltung.

Stefanie Fester vom Landesvorstand der NAJU Hessen betonte die gute Zusammenarbeit der beiden Bildungspartner: „Für den Erfolg des Naturschutzes ist es ganz wichtig, dass Verwaltungen und Umweltverbände Hand in Hand arbeiten. Das Waldscout-Projekt zeigt, dass es geht – und zwar richtig gut!“ Die Fortführung des Waldscout-Projektes, bei dem Schulklassen auf eine 24-stündige Expedition in die Wildnis des Buchenmeeres gehen und seine biologische Vielfalt mit allen Sinnen erkunden und erleben können, soll mit einem zweijährigen Kooperationsvertrag gesichert werden. Um das Bildungsprojekt noch näher in der Region anzusiedeln, übernimmt die Jugendburg Hessenstein künftig die Rolle der NAJU Hessen als Projektpartner des Nationalparks.


Die Bildungspartner bereiten eine Ausweitung des Konzeptes vor. „Bislang konnten nur Schulklassen und Jugendgruppen auf einer Wildnis-Expedition gehen. Mit der ‚Wildnisnacht’ entwickeln wir nun auch ein Angebot für Erwachsene und Familien“, erklärte Bauer. Zur künftigen Arbeit der beiden Projektleiter Anja Erxleben und Sebastian Weigand gehört neben der Qualifizierung von Rangern und Teamern auch die Beratung anderer Großschutzgebiete bei der Entwicklung ähnlicher Projekte. „Der Nationalpark Harz will schon in diesem Jahr loslegen und von unseren Erfahrungen profitieren“, erläuterte Erxleben.


Um die Wildnisbildungsarbeit künftig bundesweit besser zu koordinieren, wurde auf der Tagung eine „Initiative zur Wildnisbildung“ gegründet, der neben dem Nationalpark Kellerwald Edersee und dem NABU Hessen auch die Nationalparke Hainich, Harz, Sächsische Schweiz, Müritz und Bayerischer Wald sowie der BUND Niedersachsen angehören.


Mehr Informationen zum Waldscout-Projekt und zur Wildnisbildung gibt es unter www.waldscout.de.


Hintergrund:

Waldscout – Expedition in die Wildnis


Das Projekt „Waldscout – Expedition in die Wildnis“ setzt neue Akzente in der Umweltbildung in Nationalparks, indem es Wildnis als gesellschaftlich relevante Kulturaufgabe begreift und die verwildernde Natur als besonderen Lernraum der Bildung für nachhaltige Entwicklung betrachtet. Dieses Grundverständnis spiegelt sich im theoretischen Konzept der „Wildnisbildung“ wider. Mit der erstmaligen Einrichtung von Biwakstellen in einem deutschen Nationalpark sollen Schülerinnen und Schüler der SEK I und II sowie Jugendgruppen im Rahmen einer „Wildnisexpedition“ zum intensiven Nachdenken über ökologische, ökonomische und soziale Aspekte des Verhältnisses von Mensch und Natur sowie den eigenen Lebensstil im Alltag angeregt werden.

Im Rahmen einer fünftägigen Klassenfahrt zu einer Jugendherberge am Nationalpark Kellerwald-Edersee unternehmen Kinder und Jugendliche eine 24-stündige „Expedition in die Wildnis“, die von ihnen vorbereitet und mit Unterstützung von Projektteamern selbst durchgeführt wird. Die Schülerinnen und Schüler müssen gemäß der Nationlapark-Maxime „Natur Natur sein lassen“ alles, was sie für die Expedition benötigen, in ihrem „ökologischen“ Rucksack mitnehmen und sich beim Packen konkret Gedanken darüber machen, was sie benötigen und was nicht. Hierbei spielt der Suffi zienz-Gedanke der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Die gemeinsame Gestaltung des einfachen Wildnisbiwaks ist eine zentrale Aufgabe für die Jugendlichen. Im Rahmen des „Therapeutischen Nichtveränderns“ der verwildernden Natur gilt es, zu entscheiden, welche Spuren der Aufenthalt im Nationalpark hinterlassen darf und welche nicht.


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