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28.11.2011

Nationalpark Kellerwald-Edersee lud zum 6. Wildbuffet ein

Bad Wildungen. Das diesjährige Wildbuffet des Nationalparks fand am vergangenen Freitag, den 25. November, erneut im MARITIM-Badehotel statt. Mittlerweile hat es sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt, bei dem alle Freunde des Nationalparks und exklusiver Wildgerichte exzellente Speisen im gemütlichen Ambiente genießen können.

Wie bereits Tradition geworden, blickte das Nationalparkamt auch in diesem Jahr mit seinen Partnern, Freunden und Förderern auf das vergangene, erfolgreiche Jahr zurück und gab einen Vorgeschmack auf das kommende Jahr. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung standen Informationen und Präsentationen zur Anerkennung als Teilgebiet des UNESCO-Weltnaturerbes „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.

Seit der Vorortüberprüfung der UNESCO im September 2010 ging es mit schnellen Schritten weiter auf dem Endspurt zur Anerkennung als Weltnaturerbestätte. Die Zeichen standen gut, aber dennoch war nichts sicher. Am 24. Juni dieses Jahres wollte das Welterbekomitee seine Entscheidung treffen, die dann nach einem langen Sitzungstag zwischen Bangen und Hoffen auf den 25. vertagt wurde. Nach diesem unerwartet langen Nervenkitzel - dem Warten auf die Entscheidung der UNESCO, ob der Kellerwald Weltnaturerbestätte werden würde - war die Freude für alle Nationalparkmitarbeiter und Freunde des Großschutzgebietes umso größer, als es hieß: „Hurra, wir sind Weltnaturerbe!“.

Im Anschluss ging es sofort an die Planungen der Festlichkeiten dieses besonderen Ereignisses: Spontanfeier für die Mitarbeiter und Freunde des Nationalparks sowie für die Bevölkerung im NationalparkZentrum Kellerwald, der Festakt auf Schloss Waldeck im Beisein der Hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich sowie die Urkundenüberreichung im Bundesumweltministerium in Berlin.

Nationalparkleiter Manfred Bauer blickte voller Stolz und Freude auf die vergangenen ereignisreichen Monate zurück: „Diese Meilensteine sind erfolgreich geschafft. Nun werden Schwerpunkte in der praktischen Umsetzung in der Vermittlung des Welterbes gesetzt: Überarbeitung und Neuauflage der Informationsmaterialen, dezente Markierungen der Welterbeflächen im Nationalpark, Schaffung von vertiefenden Welterbemodulen oder Veranstaltungsangeboten im NationalparkZentrum Kellerwald, im BuchenHaus oder im Schutzgebiet selbst und vieles mehr“.

Prof. Dr. Ewald Langer von der Universität Kassel gab für die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) den Pilz des Jahres 2012 bekannt. Es handelt sich um den Grauen Leistling, eine Pfifferlingsart. „Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Grauen Leistling zum „Pilz des Jahres 2012“ gewählt, um auch auf nahe Verwandte Arten des weitbekannten Markt-Pfifferlings aufmerksam zu machen.“, so Langer. „Der Graue Leistling ist, wie alle Pfifferlingsarten der Gattung „Cantharellus“, durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Er ist nicht selten unter Rotbuchen zu finden“, so erläuterte Prof. Dr. Ewald Langer den Gästen des Wildbuffets.

Der Abend wurde von der Nationalparkverwaltung in Kooperation mit dem Förderverein für den Nationalpark Kellerwald e.V. und dem Maritim-Badehotel gestaltet.


Hintergrund Weltnaturerbe

Durch die UNESCO-Welterbekonvention aus dem Jahr 1972 sollen Teile des Kultur- und Naturerbes der Welt als Erbe der gesamten Menschheit erhalten werden. Entscheidende Auswahlkriterien hierfür sind die Einzigartigkeit, die Unversehrtheit und der nationale Schutzstatus. In Deutschland wurden bisher erst zwei Stätten als Weltnaturerbe ausgezeichnet, die Fossilienfundstätte Grube Messel und das Wattenmeer.

Für die deutschen Buchenwälder wurden der UNESCO ausgewählte Bereiche aus fünf Schutzgebieten in vier Bundesländern vorgeschlagen. Neben dem hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee sind die Nationalparks Jasmund und Müritz (beide in Mecklenburg-Vorpommern), der Nationalpark Hainich (in Thüringen) und das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin dabei. Seit Juni dieses Jahres bilden die deutschen Gebiete gemeinsam mit zehn Gebieten in der Slowakei und der Ukraine, die bereits 2007 als Weltnaturerbe ausgewiesen wurden, das transnationale UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.

Der Status als Weltnaturerbe ist eine besondere Auszeichnung und ein enormer Imagegewinn für die betroffenen Regionen, stehen doch damit ihre Buchenwälder auf der gleichen Stufe wie der Grand Canyon in den USA oder das Große Barriereriff in Australien.

Doch was zeichnet die deutschen Buchenwälder aus, was macht sie zu etwas ganz Besonderem? Für die Bewohner Nordhessens ist das sich verändernde Waldbild von bunten Farben im Herbst bis hin zu erfrischenden Grüntönen im Frühjahr und Sommer selbstverständlich. Die sommergrünen Laubwälder gibt es nicht nur in Europa sondern auch in anderen Erdteilen. Die Buchenart „Fagus sylvestris“, die Rotbuche, ist aber ausschließlich in Europa verbreitet. Der Wiederbewaldungsprozess Mitteleuropas nach der Eiszeit ist ein einzigartiges Phänomen. Ohne menschlichen Einfluss bestünde Deutschland zu 2/3 aus Buchenwald. Natürliche und große zusammenhängende Buchenwälder sind in Deutschland selten, „Buchen-Urwälder“ bis auf kleinste Relikte in den als Weltnaturerbestätte anerkannten Gebieten verschwunden. In diesen Schutzgebieten können sich örtlich wieder naturnahe Wälder, die über die Jahrhunderte immer „wilder“ werden, entwickeln. Eine weitere Besonderheit ist, dass die ausgewählten deutschen Teilgebiete die wichtigsten Buchenwaldtypen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes repräsentieren, nämlich auf unterschiedlichsten Standorten von den Bergen bis zur Küste, und gemeinsam mit den Gebirgswäldern der Karpaten den mitteleuropäischen Buchenwald vertreten.

Nähere Informationen unter www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. (DGfM) gibt bekannt: Pilz des Jahres 2012 ist der Graue Leistling, Cantharellus cinereus.

Ein unscheinbarer Geselle ist der Graue Leistling. Mit seinen graubraunen Tarnfarben ist er schwer im Herbstlaub auszumachen. Es sei denn, er wächst zwischen gelb verfärbten Hainbuchenblättern, wie auf unserem wunderschönen Bild des Pilzfotografen und Hobby-Mykologen Marco Gebert. Mit seinem trichterförmigen Hut, den grauen Leisten auf der Hutunterseite und dem braunen Stiel ähnelt er dem Trompeten-Pfifferling. Der Fachmann erkennt schon aus dem lateinischen Namen „Cantharellus cinereus“, dass der graue Leistling tatsächlich mit dem Pfifferling verwandt ist. In Deutschland gibt es sogar sechs verschiedene Pfifferlingsarten. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der beliebte Speisepilz „Cantharellus cibarius“, der Pfifferling oder Eierschwamm.

Alle Pfifferlingsarten sind sog. Mykorrhizapilze. Sie leben in Symbiose mit unseren Waldbäumen. In dieser Lebensgemeinschaft tauscht der Pilz mit dem Baum lebenswichtige Nährstoffe aus. Die Fruchtkörper des Pfifferlings, den wir im Wald sammeln können, ist jedoch nicht der alleinige Pilz. Im Waldboden wächst, für uns unsichtbar, das Pilzgeflecht des Pfifferlings. Dieses Pilzgeflecht schlägt, wie man heute weiß, von seiner Flächenausdehnung und seiner Lebensdauer alle Rekorde. Zum Beispiel kann der Hallimasch als Parasit mit seinem Pilzgeflecht viele Hektar Boden durchdringen und dabei älter werden als alle bekannten Lebewesen.

Der Graue Leistling ist, wie alle anderen Pfifferlingsarten der Gattung „Cantharellus“, durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Allerdings hat der Gesetzgeber hier eine Ausnahmeregelung erlassen, die es dem Pilzgourmet erlaubt Pfifferlingsarten in geringen Mengen für den eigenen Bedarf in der Natur zu sammeln. Dies schließt demzufolge das kommerzielle Sammeln für Restaurants aus. Pfifferlinge, die auf dem Markt angeboten werden stammen hauptsächlich aus den baltischen Staaten, Russland und dem Balkan. In der Presse gab es in letzter Zeit immer wieder alarmierende Berichte über verdorbene Ware, bedingt durch die langen Transportwege und Lagerung. Hier heißt es für den Verbraucher genau hinschauen.

In Deutschland kann der Graue Leistling in jedem Bundesland gefunden werden. Er ist nicht selten unter Rotbuchen zu finden. Eine Verbreitungskarte aus dem Datenbestand der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zeigt, dass die Fundmeldungen in Deutschland mit Sicherheit noch lückig sind.

Mehr Informationen über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie unter http://dgfm-ev.de

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