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Natur verstehen
Boggel


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Neue Wildnis

Schon immer Wald

Der heutige Nationalpark war selbst in der Phase größter Waldverdrängung, im Früh- und Hochmittelalter, überwiegend Wald. Im heutigen Nationalpark stehen auf mehr als 1.000 ha Fläche Buchen mit einem stolzen Alter von über 160 Jahren. In den echten Urwaldresten an den Eder-Steilhängen, wie „Wooghölle“ und Ringelsberg, erreichen sie ehrwürdige 260 Jahre. Diese Naturwälder existierten vermutlich bereits, als sich die ersten Ackerbauern der Jungsteinzeit im Bad Wildunger und Edertaler Raum ansiedelten. Heute sind sie Ausbreitungszentren für eine neue Wildnis. Denn nur hier konnten außergewöhnliche Urwaldarten überleben.


Der Nationalpark Kellerwald-Edersee ist heute geprägt vom Wandel, der nach Einstellung der Nutzungen in den Wäldern begonnen hat. Der ablaufende Prozess offenbart sich in einer facettenreichen Zersplitterung des Waldbildes, im mosaikartigen Wechsel von jungen, alten und toten Buchen. Der Anteil von Totholz im Wald nimmt zu, wodurch Arten begünstigt werden, die auf alte und tote Bäume angewiesen sind. Zu den Gewinnern zählen Totholz bewohnende Insekten. Auch die formenreiche Welt der Pilze profitiert. So markieren Zunderschwamm, Buchenkreisling, Buchenschleimrübling und Ästiger Stachelbart den Zerfall der Buche.