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Natur verstehen
Boggel


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Dynamik

Im Kreislauf der Buche

Nirgendwo sonst auf der Erde bestimmt eine einzige Baumart das Erscheinungsbild und das Leben derart wie im Europäischen Buchenwald. Mächtige silbergraue Buchenstämme mit schattenspendenden Kronendächern prägen Jahrhunderte lang das Bild natürlicher Buchenwälder. Alle Entwicklungsstadien der Buche vom Keimling über den Baumriesen bis zum modernden Stamm sind hier kleinräumig vereint. Alles Leben im Wald hat sich dem ewigen Zyklus vom Werden und Vergehen der Buche angepasst. Er ist Ausdruck der inneren Dynamik im Waldökosystem und steht doch gleichzeitig für eine Beständigkeit an Lebensräumen. Der Buchenwald ist so für Waldbewohner dauerhaft „berechenbar“ – Grundlage für seine biologische Vielfalt.


Fällt ein Baumriese, reißt er eine Lücke in den Wald. Sonnenstrahlen erreichen den kahlen aber humusreichen Waldboden, in dem Samen von Fingerhut, Weidenröschen und Himbeere auf ihre Chance gewartet haben. Doch auch der Buchenjungwuchs steht schon in den Startlöchern, sein Streben nach oben ist unaufhaltsam.


Der gefallene Riese ist dem Verfall preisgegeben – bietet Raum für neues Leben. Sein dicker Stamm wird zum Schlaraffenland für ein Heer von Lebewesen. Pilzfäden durchdringen das Holz und leiten seine Zersetzung ein. Bohrende und Holz fressende Insektenlarven durchlöchern den Kadaver, machen ihn reif für raspelnde Schnecken, Würmer und jagende Spinnen. Bis nach wenigen Jahrzehnten Regenwürmer die Moderreste zu Erde mischen. Spechte meißeln Bruthöhlen in den aufrechten Stammrest. Nachmieter sind Waldkauz, Hohltaube, Kleiber, Meise, Fledermaus und Bilch.